Bericht zur dena-Verteilnetzstudie II
Die Kosten für die Energiewende werden primär durch die Leistungsfähigkeit der Verteilnetze bestimmt. Die dena-Verteilnetzstudie II analysiert den notwendigen Umbau hin zu einem dekarbonisierten Energiesystem.
Bericht zur dena-Verteilnetzstudie II
Herausforderungen für Verteilnetzbetreiber im Zuge der Energiewende
Verteilnetzbetreiber (VNB) stehen im Zuge der Energiewende vor einer Vielzahl komplexer Aufgaben: Die Strom-, Gas- und Wärmenetze befinden sich in einer tiefgreifenden Transformationsphase, da die Stromerzeugung zunehmend dezentral erfolgt und zugleich neue Verbraucher wie E-Fahrzeuge und Wärmepumpen flächendeckend hinzukommen. Auch die Wärmeversorgung steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Die kommunale Wärmeplanung ist dabei das zentrale Instrument, um die jeweils kosteneffizienteste und klimafreundlichste Versorgungslösung zu identifizieren. Parallel dazu werden Industriebetriebe künftig verstärkt auf klimaneutrale Prozesse umstellen, was den Einsatz von Wasserstoff als Energieträger und den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur zunehmend relevant macht. Eine bestehende Unklarheit ist dabei, zu welchem Zeitpunkt bestehende Gasleitungen stillgelegt oder auf Wasserstoff umgestellt werden können.
Um diese Entwicklungen systematisch zu analysieren, hat die deutsche Energieagentur (dena) seit Mai 2024 mit 26 VNB, der BET Consulting, der Bergischen Universität Wuppertal und BMU Energy Consulting mehrere Workshops durchgeführt. Dabei wurden zentrale Herausforderungen identifiziert und diskutiert.
Steigender Netzausbaubedarf durch Elektrifizierung, neue Verbraucher und Wasserstoff
Als zentrale Herausforderungen für die Energiewende wurden verschiedenste Aspekte diskutiert. Hierbei ist zunächst die steigende Volatilität in der Energieerzeugung zu nennen. Gleichzeitig wird der Leistungsbedarf im Stromsektor durch die Elektrifizierung von Wärme und Mobilität stetig steigen. Regulatorische Unsicherheiten erschweren dabei die langfristige Planung und Investitionsentscheidungen im Bereich der erneuerbaren Energien. Regulatorischer Nachsteuerungsbedarf besteht beispielsweise im Bereich der steuerbaren Verbraucher, da diese das bisher meist ungenutzte Potenzial haben, das Netz zu entlasten und Flexibilitäten zu heben. Die tiefgreifenden Veränderungen im Energiesystem bringen für Verteilnetzbetreiber einen Finanzierungsbedarf mit sich, der in diesem Ausmaß bislang beispiellos ist. Da klassische Instrumente der Kapitalbeschaffung, wie die Aufnahme zusätzlichen Eigenkapitals, vielerorts an ihre Grenzen stoßen, müssen zunehmend alternative Finanzierungswege erschlossen werden, um die anstehenden Investitionen zu stemmen und das Ziel der Klimaneutralität nicht zu gefährden.
Weitere Herausforderungen ergeben sich aus dem wachsenden Bedarf an Netzanschlusskapazitäten für Erzeugungsanlagen und Großspeicher, einem potenziellen Lastzuwachs durch Elektrolyseure sowie zunehmenden Prognoseunsicherheiten infolge dynamischer Tarife und sich wandelnder Verbrauchsmuster.
Handlungsfelder und Lösungsansätze für eine klimaneutrale Energieinfrastruktur
Um diesen vielschichtigen Herausforderungen zu begegnen, definiert die Studie vier zentrale Handlungsfelder, die sowohl die Herausforderungen als auch mögliche Lösungsansätze behandeln:
- Attraktive Investitionsbedingungen und vielfältige Finanzierungsquellen
- Koordination, Planungssicherheit und Datenaustausch über Sektoren und Ebenen hinweg
- Digitalisierung für Effizienz und Flexibilisierung
- Transformation als kooperative Gemeinschaftsaufgabe
Ziel der Studie ist es, praxistaugliche Lösungen und strategische Empfehlungen für die sektorübergreifende Transformation von Infrastrukturunternehmen hin zur Klimaneutralität zu entwickeln. Die Verteilnetzstudie stellt dabei die betriebswirtschaftliche Perspektive ins Zentrum, und ergänzt damit Energiesystemstudien, die die Transformation aus Netzsicht und aus volkswirtschaftlicher Perspektive betrachten.
Anhand der vier Handlungsfelder werden die bestehenden Problemlagen vielschichtig analysiert. Die erarbeiteten Handlungsempfehlungen werden direkt an die relevanten Akteure – namentlich VNB, BNetzA, Bund und Länder – adressiert. Die Ergebnisse der Simulationen wurden anschließend in betriebswirtschaftliche Kennzahlen überführt, um Auswirkungen auf VNB und Endkunden einschätzen zu können.
Das Projekt richtet sich primär an Verteilnetzbetreiber (VNB) sowie an alle weiteren Akteure der Energiebranche. Außerdem sollen die Ergebnisse der Studie dazu beitragen, dass die Finanzbranche und politische Entscheidungsträger die Lage der Verteilnetzbetreiber besser verstehen und auf dieser Grundlage fundierte Entscheidungen treffen können.