Mehr Klimaschutz durch klimafreundlich gebaute und intelligent betriebene Quartiere

Viele Kommunen haben sich Klimaschutzziele gesetzt oder sogar den Klimanotstand ausgerufen. Ebenfalls haben viele Kommunen Projekte angestoßen, damit sie diese Ziele auch erreichen können. Ein solches Projekt ist SoLAR.

Veröffentlicht: 2. Dezember 2020 | Kategorie: Allgemein, Blog | Autor / Autorin: Dietmar Miller
Bildquelle: Easy Smart Grid GmbH Darstellung der Sektorkopplung im Projekt SoLAR

Laut den Machern hinter dem Projekt SoLAR ist es nicht notwendig, dass ambitionierte Klimaziele darauf warten müssen, bis technologische Durchbrüche neue und kostengünstigere Speicher möglich machen, oder intelligente Stromzähler samt Infrastruktur eingeführt wurden. Wie durch ganzheitliche Betrachtung aller Energienutzungen, also von Strom, Wärme und Mobilität, sehr viel effizientere Möglichkeiten der Energiespeicherung durch Sektorkopplung entstehen könnten, hat die Lokale Agenda 21 Allensbach schon vor einiger Zeit herausgefunden. Und das Projekt „Smart Grid ohne Lastgangmessung Allensbach-Radolfzell“ (kurz SoLAR) soll das nun – gefördert vom baden-württembergischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz – auch in der Praxis zeigen, nachdem umfassende Simulationen gezeigt haben, dass alleine durch intelligente Steuerung von Wärmepumpen und Blockheizkraftwerken, das angepasste Laden von E-Fahrzeugen und smarten Betrieb von Hausgeräten eine substantielle Steigerung der Nutzung lokal geernteten Sonnenstroms und damit große ökologische und wirtschaftliche Vorteile möglich seien. Am 8. Juli 2020 wurde mit einer Projektveranstaltung der Übergang von der Theorie in die Praxis symbolisiert. Bis Ende 2020 sollen alle 22 neu errichteten Wohneinheiten bezogen und damit auch das intelligente Betriebskonzept umgesetzt werden.

Doch was sind nun die entscheidenden Unterschiede zu anderen, ebenfalls mit hohen Zielen verbundenen Projekten ähnlicher Natur? Erstens werde konsequent die Tatsache genutzt, dass zeitliche Flexibilität von Energienutzung sehr kostengünstige „virtuelle Batterien“ bereitstellt.
Zweitens sei es viel günstige im Fall eines Energiebedarfs in Form von Wärme, Energie auch als Wärme statt als Strom zu speichern.

Im Projekt SoLAR wurde jede Doppelhaushälfte mit einer Wärmepumpe mit einer Leistungsaufnahme von 2 kW versehen, welche durch „smarten Betrieb“ am Tag statt in der Nacht läuft. Das Ergebnis sei identisch zu einer PV-Batterie mit einer Leistung von 2 KW – allerdings wird die Energiespeicherfunktion vollständig von einem Warmwassertank (300 l) übernommen, welcher bereits mit der Wärmepumpe verbaut wurde.

Wärme ist in Deutschland für mehr als ein Drittel des Primärenergieverbrauchs verantwortlich. In Privathaushalten entfallen sogar knapp 50% des Gesamtenergieverbrauchs auf raumwärmebedingte Anwendungen. Somit habe, laut den Projektverantwortlichen, fast jedes Gebäude das Potential, kostengünstig und effektiv zur Energiespeicherung und letztlich Energiewende beizutragen.

Bildquelle: Easy Smart Grid GmbH IKT-System des Projektes SoLAR

Zwar könne man auch Stromspeicher einsetzen, müsse das aber laut den Projektverantwortlichen von SoLAR nicht – und könne sich die entsprechenden Investitionen sparen. Weiterhin werde imPilotprojekt die Tatsache berücksichtigt, dass zur Nutzung gegebener Energieflexibilität nicht Daten vom Verbraucher an eine zentrale Stelle gesendet werden müssten, sondern dass umgekehrt der Verbraucher nur wenige, aber die notwendigen Informationen benötigt und bekommt, um seine Flexibilität nutzbringend einzubringen. So, wie es auch vom Clean Energy Paket der EU gefordert wird, welche die Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt der Energiewende stellt.

Diese zentralen Eigenschaften haben bereits zu großem Interesse bei deutschen und internationalen Akteuren geführt, die ebenfalls auf der Suche nach Wegen sind, konkreten Klimaschutz mit geringeren Kosten und Einbeziehung ihrer Bürgerinnen und Bürger zu erreichen.

Umgesetzt wurde das Projekt SoLAR u. a. von unseren Mitgliedern von Netze BW, ISC Konstanz e.V., Europäischem Institut für Energieforschung (EIFER), Energiedienst Holding, Gemeinde Allensbach und Easy Smart Grid.

Mehr Informationen zum Projekt und Ansprechpartnern erhalten Sie auf der Website des Projektes SoLAR.