Nachbericht: dena Energiewende-Kongress 2025
Unter dem Motto "Sicher vorangehen" trafen sich mehr als 1200 Akteure der deutschen und internationalen Energiewirtschaft, Politik und Forschung.
Der dena Energiewende-Kongress 2025
Am 3. und 4. November 2025 fand im bcc Berlin Congress Center der dena Energiewende-Kongress statt. Unter dem Motto „Sicher vorangehen“ trafen sich mehr als 1.200 Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, um zentrale Fragen der Energiewende zu diskutieren. In mehr als 50 Sessions wurden die Herausforderungen und Chancen der Transformation zu einem klimaneutralen Energiesystem behandelt.
Tag 1
Corinna Enders (Vorsitzende der Geschäftsführung, dena – Deutsche Energie-Agentur) leitete ein, dass ohne Resilienz keine zuverlässige Versorgungssicherheit möglich ist. Sie betonte dabei die Notwendigkeit neuer Antworten auf physische und digitale Bedrohungen und forderte zu mehr europäischem Denken in der Energieversorgung, um den neuen geopolitischen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen.
Carsten Schneider (Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit) fand in seiner Keynote deutliche Worte für die Herausforderungen des Energiesystems: Es gäbe eine neue Sicherheit; das sei die generelle Unsicherheit. Inzwischen werde mehr Strom aus Erneuerbaren Energien gewonnen, als aus fossilen Energieträgern. Bislang trug günstige, fossile Energie zum Wirtschaftswachstum bei, brachte Deutschland jedoch in eine extreme politische Abhängigkeit. So habe das billige Gas aus Russland die Kriegskasse des Kreml gefüllt, und uns gleichzeitig in eine enorme geopolitische Abhängigkeit gebracht. Dass das Umdenken erst mit dem völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine stattfand, zwingt uns nun mit großen Schritten zu handeln. Es gäbe immer mehr Angriffe auf die Energieinfrastruktur, diesen gelte es entschieden zu begegnen. Erneuerbare Energien bedeuten nicht nur Unabhängigkeit von Drittstaaten, sie schaffen auch eine Wertschöpfung vor Ort, in Deutschland und in Europa. Jede kWh Energie, die wir nicht aus geopolitisch instabilen Regionen einkaufen müssen, sondern hier gewinnen, sorge dafür, dass Wertschöpfung in der Region bleibt. Deutschland verfüge über das dafür notwendige Knowhow, und die First Mover in diesem Bereich müssten für ihr Engagement belohnt werden. Der Mittelstand sei entscheidender Treiber der Energiewende und die Innovativität von Unternehmen müsse belohnt werden. Die Keynote des Ministers spiegelte exakt den politischen Rahmen des dena-Kongresses wider: Resilienz, Kooperation in Europa, Wertschöpfung vor Ort, Innovationen belohnen. Denn die Energiewende ist nicht nur eine Herausforderung und Notwendigkeit, sondern auch eine Chance in mehrerlei Hinsicht: Sicherheitspolitische Unabhängigkeit, einen wachsenden Wirtschaftszweig mit Wertschöpfung vor Ort und Exportchancen und nicht zuletzt – die Dekarbonisierung der Energienutzung.
Der gesamte Eröffnungsvormittag widmete sich dem Themenkomplex Sicherheit und Resilienz. So brachte Dr. Bernhard Kotsch (Staatssekretär, Auswärtiges Amt) es im Panel „Energie, Sicherheit, Resilienz – Neue Realitäten, neue Anforderungen“ auf den Punkt: Die Energieversorgung ist ein Kernbestandteil eines Landes – und damit auch eine der Achillesfersen wenn sie nicht entsprechend sicher gestaltet wird. Dr. Alexander Götz (Bundesministerium der Verteidigung) verwies darauf, dass die Energieinfrastruktur ein wesentlicher Teil der gesamten Sicherheit des Landes sei.
Corinna Enders verwies darauf, dass sich der Fokus bei der Betrachtung der Energiepolitik deutlich verschoben habe; die Sicherheit der Energieversorgung sei kein neues Thema, aber nun eben in den Mittelpunkt gerückt. Die neuen Regularien (z.B. NIS 2) seien wichtig, aber die Akteure dürften bei der Umsetzung nicht im Stich gelassen werden.
Stefan Kapferer (Vorsitzender der Geschäftsführung, 50Hertz) und Barbie Kornelia Haller (Vizepräsidentin, Bundesnetzagentur) waren sich einig, dass wir vorankämen und kein Erkenntnisproblem hätten, sondern dass die Umsetzung die Herausforderung darstelle. Die Akteure müssten dabei unterstützt werden. Rückschläge bei einzelnen Schritten dürften nicht gleich den ganzen Weg in Frage stellen. In Anbetracht knapper Ressourcen und der Verteilungskonkurrenz, bedürfe es nun einer Fokussierung und Priorisierung. Eine enge Zusammenarbeit sei notwendig, um die Qualität des deutschen Energiesystems, als eines der sichersten der Welt zu bewahren. Die zuvor erwähnte, ideologiefreie Priorisierung der Maßnahmen sorge dafür, dass der richtige Weg eingehalten werde, auch wenn er lang sei. Corinna Enders verwies darauf, bei allen Maßnahmen langfristig zu denken, denn Investitionen in eine robuste Infrastruktur seien Investitionen in die Sicherheit.
Die nächste Paneldiskussion „Konflikte, Kooperationen, Klimaziele – Neue Realitäten für die Energiesicherheit“ wurde von Stefan Rouenhoff (Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) eingeleitet. Die veränderten außenpolitischen Realitäten bedingen die Notwendigkeit unser Energiesystem neu aufzustellen. Zwar sei der richtige Weg erkennbar, aber noch viele Schritte zu tun. Marika Linntam (Botschafterin der Republik Estland in Deutschland) machte deutlich, dass die hybride Kriegsführung gegen den Westen zunähme und Aggressorländer keine Partner für die Energieinfrastrukturen seien dürften, um Abhängigkeiten von diesen zu vermeiden. Dr. Alexandra von Bernstorff (Geschäftsführende Gesellschafterin, Luxcara) verwies auf die Notwendigkeit eines adäquaten Risikomanagements in einer globalisierten Welt mit diversifizierten Liefer- und Versorgungsketten. Carina Brehm (Chief Operating Officer, Siemens Gamesa) brachte dabei die Erfahrungen aus der Maschinenbau-Sparte der Energiewende ein: Die Verringerung von Abhängigkeiten beinhalte gleichzeitig die Chance einer resilienten Neuaufstellung. Dr. Kira Vinke (Leiterin Zentrum für Klima und Außenpolitik, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik) ergänzte, dass Abhängigkeiten stets Einschränkungen beinhalten würden. Kristina Haverkamp (Geschäftsführerin, dena – Deutsche Energie-Agentur) verwies auf die Marktchancen erneuerbarer Energien und deren Beitrag zur Versorgungssicherheit.
In den anschließenden Fachrunden zu den Themenclustern Sicherheit, Struktur, Lösungen und Märkte wurden die eingeleiteten Themen unter Beteiligung aller Teilnehmenden vertieft.
Abgerundet wurde der erste Konferenztag traditionell mit der Verleihung des Energy Efficiency Award, bei welchem sich in den verschiedenen Kategorien nicht zuletzt auch mehrere Akteure (KMU) aus Baden-Württemberg in den Endrunden befanden. Das Motto „Alle, die es so weit geschafft haben sind schon Sieger“ zeigte sich nicht zuletzt bei den Präsentationen, bei denen die Beteiligten ihre Begeisterung für die Energiewende und die Bereitschaft „anzupacken“ dem interessierten Publikum sehr lebhaft darstellten. Eine Übersicht der Preisträger inklusive Beschreibung ihrer Tätigkeiten und Projekte finden Sie auf der Webseite der dena.
Tag 2
Das gemeinsame Powerfrühstück leitete den zweiten Konferenztag ein, der sich in der Vormittagssession den Marktchancen durch Industriepolitik für erneuerbare Energien und deren wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren widmete.
Bei der Begrüßung und Eröffnungskeynote: „Innovationsbooster – Klimaneutralität als Standortpolitik“ von Dr. Silke Launert (Staatssekretärin, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) war die Standortpolitik im Fokus der Aufmerksamkeit. Sie verwies auf die Notwendigkeit neuen Technologien Raum zu geben und diese auch wirtschaftlich zu verwerten. Neben der Frage nach Zukunftstechnologien plädierte Dr. Silke Launert für die Gestaltung intelligenter Netze und die rasche Implementierung von grünem Wasserstoff in Bereiche in denen eine Elektrifizierung schwer möglich ist.
Das direkt anschließende Panel: „Innovationsbooster – Klimaneutralität als Standortpolitik“ griff eben jene Frage auf wie innovative Produkte und Dienstleistungen aus dem Bereich der neuen Energietechnologien gewinnbringend vermarktet werden können – nicht nur in den europäischen, sondern auch den internationalen Märkten. Sören Bartol (Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen) sprach sich für eine Entemotionalisierung der Debatte um die Wärmegewinnung in Gebäuden aus. Gerade in Bestandsgebäuden gäbe es enormen Aufholbedarf, politische Grabenkämpfe um einzelne Technologien trugen nicht zu einer Lösung des Problems bei. Annekathrin Hoppe (Bürgermeisterin, Stadt Schwedt/Oder) verwies darauf, dass die Kommunen auch personell mit den notwendigen Fähigkeiten ausgestattet sein müssen. In Zeiten extrem angespannter kommunaler Haushalte stellt sich hier die Frage welche Unterstützung seitens des Bundes und der Länder für die Kommunen verfügbar ist. Corinna Enders (Vorsitzende Geschäftsführung, dena) verwies auf vielfältige Angebote für Kommunen seitens der dena und anderer Akteure. Die Handlungsmacht vor Ort zu stärken brachte Dr. Arwen Colell (Geschäftsführerin, decarbon1ze) ein, die Bürgerinnen und Bürger wollten sich Handlungsmächtig fühlen, dann trete auch Politik in den Hintergrund. Und Dr. Christian Bogatu (SPRIN-D – Bundesagentur für Sprunginnovationen) plädierte dafür, die Fortschritte der Energiewende zu sehen und mit Energie weiterzumachen, denn „Pessimismus is a waste of time“ – diese Aussage wurde mit großem Beifall kommentiert.
Wie schon am ersten Konferenztag konnte in den anschließenden Fachrunden zu den Themenclustern Sicherheit, Struktur, Lösungen und Märkte die eingeleiteten Themen unter Beteiligung aller Teilnehmenden vertieft werden.
Der gesamte Kongress ermöglichte den Teilnehmenden neben den Vortragsrunden den umfänglichen Austausch. Persönliche Begegnungen und der informelle Austausch sind wichtige Komponenten um, bestehende Netzwerke zu stärken und neue Partnerschaften zu knüpfen – eine Notwendigkeit, um die Herausforderungen der Energiewende gemeinsam anzugehen.
Eindrücke des Tages