Rückblick: TRANSFORM 2026 – Die Zukunft miteinander gestalten.

Die Zukunft miteinander gestalten: Speicher, Netzanschluss und gesicherte Leistung in der Energiewende. Rückblick auf die TRANSFORM 2026 der TransnetBW am 23. und 24. September in Stuttgart.

Veröffentlicht: 28. September 2026 | Kategorie: Allgemein, Blog, Schwerpunkt_SmartGrids

Rückblick: TRANSFORM 2026

Am 23. und 24. September 2026 fand die Konferenz TRANSFORM der TransnetBW in Stuttgart statt. Die Teilnehmenden aus Energiewirtschaft, Politik, Wissenschaft und Regulierung diskutierten über Systemführung, Batteriespeicher, Netzanschluss und Flexibilitäten, Netzentgelte und Netzplanung sowie die gesicherte Leistung in Baden-Württemberg. Eingeleitet wurde die TRANSFORM von einem abendlichen Get2gether. Der Konferenztag im Look21 wurde von Dr. Andreas Bublitz (Leiter Netzzugang, TransnetBW) eröffnet, der den inhaltlichen Rahmen skizzierte. Drei Lightning Talks, zwei Runden paralleler Breakout-Sessions und eine Podiumsdiskussion widmeten sich den zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre für die Netzwirtschaft. SmartGridsBW war mit einem Stand für den fachlichen Austausch vor Ort.

Dr. Oliver Strangfeld (CFO, TransnetBW) gab im ersten Lightning Talk einen Lagebericht zur Energiewende in Deutschland aus Sicht der TransnetBW. Er verwies darauf, dass die Energiewende nun in der zweiten Halbzeit angelangt sei. Die erneuerbare Energieerzeugung auf deutlich über 50 % zu skalieren sei der erste Teil gewesen, nun gelte es, die Transformation um strukturelle Elemente wie die Erschließung neuer Modelle für bislang von konventionellen Kraftwerken erbrachte Systemdienstleistungen mit geringstmöglichem Kostenaufwand zu ergänzen. Er verwies darauf, dass unter anderem rund 50% der Redispatchaufwände allein Fixkosten für Reservekraftwerke seien – ein Betrag, der durch gezielten Einsatz von Konzepten wie hybriden Redispatch und die Einbeziehung von Kleinanlagen, etwa im Redispatch 3.0, deutlich reduzieren ließe.

Prof. Dr. Anke Weidlich (Professorin am INATECH – Universität Freiburg, ehemalige Vorständin von SmartGridsBW) fragte im zweiten Lightning Talk „20 GW heute, 100 GW morgen?“ und ordnete den aktuellen Boom der Batteriespeicher und die Konsequenzen für die Systemintegration ein. Sie zeigte auch die strukturellen Gegebenheiten der Speicherinstallation auf (in Deutschland hoher Anteil Heimspeicher) und verglich die Einsatzszenarien und Netzeffekte mit anderen Regionen – insbesondere mit Kalifornien und Texas. Sie verwies ebenso darauf, dass das Marktdesign den Anlagenausbau bestimme und dass die „Spielregeln“ des Marktdesigns auf die Zielsetzungen hin optimiert werden müssten.

Julie Bürkle-Weiss (CTO, Badenova Netze) beleuchtete im dritten Lightning Talk die „Transformation der Netzbetreiber zwischen Ambition, Leistungsfähigkeit und Klimaneutralität“. Sie brachte damit die Perspektive eines großen Verteilnetzbetreibers ein, bei welchem nicht nur die Transformation des Stromnetzes, sondern auch die wirtschaftliche Wandlung des Unternehmens über die verschiedenen Energieträger hinweg ansteht. Die Herausforderungen sind dabei groß: Neben einem enormen Wachstum im Strombereich, das den Bau eines neuen Höchstspannungsknotens erfordert, kommen die für Verteilnetzbetreiber „üblichen“ Herausforderungen hinzu. So etwa die massive Integration erneuerbarer Energien in den niedrigeren Spannungsebenen, die Errichtung von neuen Umspannwerken, der Smart-Meter-Rollout, die Ertüchtigung von ONS und die Integration von Wallboxen und Wärmepumpen. Weiterhin wird der Gasbereich, der bislang eine große Einnahmequelle darstellt, in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen. Parallel müssen auch die Strukturen für Wasserstofftransport und -einsatz etabliert werden. Neben dem organischen Wachstum (Ausbau des operativen Kerngeschäfts) komme auch noch anorganisches Wachstum hinzu, durch die räumliche Vergrößerung der Badenova Netze.

Prof. Dr. Dietmar Graeber (THU) bei der Breakout-Session

Breakout-Sessions

In zwei Runden mit je drei parallelen Breakout-Sessions vertieften die Teilnehmenden einzelne Handlungsfelder – vormittags Netzanschlussbegehren und Reifegradverfahren, die Produktwelt Flexibilitäten und den Netzbooster in Kupferzell, nachmittags die Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom (AgNes), die gesicherte Leistung in Baden-Württemberg sowie NEP und NAP.

 

 

Podiumsdiskussion

Die abschließende Podiumsdiskussion moderierte Tobias Egeler (Leiter Netzwirtschaft und Digitalisierung, TransnetBW; stellv. Vorstandsvorsitzender von SmartGridsBW). In der Runde diskutierten Dr. Werner Götz (CEO, TransnetBW), Andreas Jahn (Regulatory Assistance Project, RAP), Prof. Dr. Anke Weidlich (Universität Freiburg) und Julie Bürkle-Weiss (CTO, Badenova Netze).

Herr Dr. Götz betonte, Finanzierbarkeit bzw. Bezahlbarkeit seien die großen Voraussetzungen der nächsten Jahre. Die angespannten Lieferketten und die weltweit hohe Nachfrage führten zu teilweise mehrfach erhöhten Preisen für Komponenten oder Projekte. Dabei verwies er auch auf das Problem der Gleichzeitigkeit und darauf, dass hierbei schneller realisierbare und ressourcenschonende Maßnahmen priorisiert werden sollten. So plädierte Herr Dr. Götz – nach eigenen Worten „wie auf jeder Bühne“ – für den Vorrang von Freileitungen vor Erdkabeln. Nicht nur deutlich geringere Kosten, geringerer Personalbedarf, sondern auch schnellere Bauzeiten und im Störungsfall extrem viel schnellere Reaktionsmöglichkeiten sprächen gerade beim Netzausbau deutlich für die Maßnahme „Freileitung“. Alle Maßnahmen und besonders der politische Legalrahmen sollten sich stets um die effizienteste Lösung bemühen, sowohl im Sinne der Ressourceneffizienz als auch im Rahmen der Resilienz des Energiesystems, die immer mehr herausgefordert werde.

Das Thema Effizienz griff auch Frau Bürkle-Weiss auf: Für einen VNB der mehrere Sparten bedienen muss, gelte es, die Aktivitäten für die verschiedenen Energieträger ganzheitlich zu denken. Dazu bedürfe es einer Übereinanderlegung der Netzentwicklungspläne für Strom, Wasserstoff und Gas. Dies solle auch in den politischen Entscheidungsgremien berücksichtigt werden, um die Effizienz des Gesamtsystems zu verbessern und es den betreffenden Akteuren zu ermöglichen, hier die Maßnahmen für die verschiedenen Energieträger effizient abzustimmen. Dabei seien auch ambitionierte Maßnahmen notwendig – ohne den 380 kV-Netzknoten wäre Klimaneutralität für Freiburg und das Umland bis 2045 nicht zu schaffen.

Herr Jahn brachte die internationale Perspektive aus Sicht einer unabhängigen Beratungsorganisation ein: „Wir haben schon viele Speicher, aber wir haben noch nicht die Methoden und Modelle, das optimal einzusetzen.“ An Beispielen aus anderen Ländern ließen sich sowohl aus strukturellen als auch aus netztechnischen Gegebenheiten Regeln für den sinnvollen Einsatz von Speichern ableiten. Dabei solle die Regulatorik sinnvolle Instrumente, die marktlich effizient organisiert werden könnten, nicht durch zu hohe Hürden behindern.

Herr Egeler fasste die Entwicklungen zusammen: Die nun notwendige Geschwindigkeit bedinge, dass sich Aufgaben stapeln und parallel erledigt werden müssen. Was schnell geht, solle priorisiert werden und die Kosteneffizienz stets als eine der Prioritäten mitgedacht werden – nicht aus Erwägungen „günstigen“ Agierens, sondern als Kriterium der Machbarkeit. Und er griff Herrn Dr. Götz‘ finales Plädoyer auf, „konstruktiv nach vorne zu schauen“, die Zusammenarbeit weiterzuführen und die Transformation des Energiesystems weiter gemeinsam voranzutreiben.

Zum Abschluss der diesjährigen TRANSFORM gab Dr. Andreas Bublitz einen Ausblick auf die Weiterführung des erfolgreichen Formats, dass so viele Stakeholder, die unmittelbar mit den Übertragungsnetzen in Baden-Württemberg arbeiten, zum Austausch zusammenbringt.

Vielen Dank an die TransnetBW für die Organisation der Veranstaltung, die wertvollen fachlichen Impulse und den Rahmen, der wieder viel Gelegenheit für konstruktiven Austausch und Vernetzung bot.

Dr. Oliver Strangfeld und SmartGridsBW auf der Transform

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