SG-Roadmap BW 2.0: Workshop „Partizipation auf allen Ebenen ermöglichen“ am 30.06.22

Mehr als 120 baden-württembergische Akteure beteiligen sich bereits an der Aktualisierung der Smart Grids-Roadmap BW. Am 30.06.22 fand der Workshop zum Thema „Partizipation auf allen Ebenen ermöglichen“ statt

Veröffentlicht: 6. Juli 2022 | Kategorie: Allgemein, Blog, SmartGrids-Roadmap | Autor / Autorin: Christian Schneider

Im Rahmen eines Konsultationsprozesses mit bereits über 120 baden-württembergischen Akteuren wird derzeit an einer Neuauflage der Smart Grids-Roadmap Baden-Württemberg gearbeitet. Sie soll als überarbeitete Version 2.0 die gemeinsame Vision der Akteure für intelligente Energienetze in Baden-Württemberg enthalten und die Umsetzung von Smart Grids im Bundesland auf eine gemeinsame Basis stellen. Detaillierte Informationen zum Ablauf des Prozesses erhalten Sie hier.

SmartGridsBW

Teilnehmende des Roadmap-Workshops "Partizipation auf allen Ebenen ermöglichen" am 30.06.2022.

Workshop „Partizipation auf allen Ebenen ermöglichen“

Am 30.06. wurde das vierte Handlungsfeld der neuen Smart Grids-Roadmap BW 2.0 „Partizipation auf allen Ebenen ermöglichen“ im Rahmen eines Online-Workshops diskutiert.

Partizipation wird als politisches Schlagwort häufig benannt, impliziert es doch die Möglichkeiten demokratischer Beteiligung der Bürgerschaft im Kontext der Energiewende, also am Transformationsprozess des Energiesystems. Speziell im Bereich intelligenter Energienetze, die noch weniger sichtbar sind als die erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen selbst, stellt sich die Frage nach den tatsächlich gegebenen Beteiligungsmöglichkeiten noch viel deutlicher. Doch warum „Partizipation auf allen Ebenen ermöglichen“? Die Beteiligung an der Gestaltung der Energiewende findet nicht nur auf der Ebene der Bürgerschaft statt. So gilt es, Kommunen, Verbände, NGOs sowie andere zivilgesellschaftliche Vereinigungen als Multiplikatoren für die Bürgerschaft einzusetzen, um diese in ihrer Lebenswelt zu erreichen. Gleichzeitig sind Kommunen häufig auch Liegenschaftsbetreiber. Verbände und Vereinigungen können ihre Mitglieder bezüglich derer Energienutzung aktivieren, sind also auch wichtige Akteure, die partizipieren können.

  • Kommunen: Kommunen betreiben eine Vielzahl von Liegenschaften und sind somit bei der Energienutzung dazu in der Lage, Potenziale zur Dekarbonisierung und perspektivisch auch zur Flexibilisierung ihrer Anlagen zu erschließen. Durch den kommunalen Besitz vieler Infrastrukturbetriebe wie Stadtwerke, Wohnbau- und Verkehrsgesellschaften verfügen Kommunen auch über die Möglichkeiten, deren Ausrichtung im Sinne des Klimaschutzes und der Energiewende zu gewährleisten. Nicht zuletzt besitzen Kommunen aufgrund ihrer Bürgernähe und ihrer Sichtbarkeit in der Lebenswelt der Bevölkerung eine Vorbildfunktion: Durch die Gestaltung der Energienutzung vor Ort können sie die Machbarkeit der Energiewende demonstrieren und so auch die Akzeptanz steigern.
  • Intermediäre Akteure (Verbände, Industrie, Gewerbe- und Handwerkskammern, NGOs etc.): Verbände, zivilgesellschaftliche Organisationen, Gewerbe- und Handelskammern, Handwerkskammern und andere intermediäre Akteure haben eine bedeutende Multiplikationsfunktion inne. So können sie die Anlagengestaltung ihrer Mitglieder im Sinne erneuerbarer Energien und intelligenter Energienutzung (zum Beispiel zur Hebung von Flexibilitäten) beeinflussen. Zudem stehen sie häufig mit der Bürgerschaft in Kontakt, betreiben Liegenschaften in deren persönlicher Lebenswelt und können als Vermittler für die Machbarkeit und die wirtschaftliche Belastbarkeit von Energiewendemaßnahmen auftreten. Die Multiplikationsfunktion, nicht zuletzt der Handwerkerschaft, die häufig von den Bürgerinnen und Bürgern als erste Ansprechpersonen für Energiewendemaßnahmen gesehen werden, ist kaum zu überschätzen.
  • Bevölkerung: Die Beteiligungsmöglichkeiten der Bevölkerung sind sehr heterogen verteilt. So bestimmen Wohnumstände (Eigentum oder Miete), technische Gegebenheiten (z. Funkempfang für die Smart Meter Gateways), aber auch rechtliche Aspekte sehr stark, inwiefern sich einzelne Personen an der Gestaltung der Energiewende beteiligen können. Die Möglichkeiten zur Erzeugung von Strom durch PV-Anlagen, Eigenverbrauchsoptimierung und die Last-Flexibilisierung des E-Autos setzen insbesondere finanzielle Ressourcen und in vielen Fällen ein Eigenheim voraus. Die Möglichkeiten der aktiven Gestaltung des Energienetzes durch diese Prosumentinnen und Prosumenten sind von diesen Ressourcen und den weiteren genannten Randbedingungen abhängig, ermöglichen so jedoch einem Teil der Bürgerschaft eine große Teilhabe am Energiesystem. Die Mitgliedschaft in Bürgerenergiegenossenschaften und die bald durch EU-Recht ermöglichte Beteiligung an Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften wird die Teilhabe noch mehr Personen zugänglich machen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass ausreichend Informationen verfügbar sind. In der täglichen Lebenswelt der Bevölkerung nimmt das Thema Energie wenig Raum ein – zumeist erst, wenn die Rechnungen kommen. Um die Beschäftigung mit dem Thema Energie anzuregen und so der Bevölkerung die maximal mögliche Teilhabe nahezubringen, gilt es, dies die Kommunikations- und Informationsmaßnahmen noch weiter zu intensivieren.

Wie geht’s weiter?

Die Ergebnisse dieses und der weiteren Workshops dienen der inhaltlichen Präzisierung der Meilensteine sowie der Zielsetzungen der Roadmap. Sie werden vom Roadmap-Team eingearbeitet und der gesamten Runde der Teilnehmenden als Textdokument zur Kommentierung und Ergänzung zur Verfügung gestellt.

Derzeit läuft die E-Mail-Konsultation mit der ersten Feedbackrunde für die Handlungsfelder 1 und 2. Für die Handlungsfelder 3 und 4 wird der Input demnächst in die Runde gegeben, bevor die finale Textversion Anfang September in die Runde der Teilnehmenden geht und am Syntheseworkshop am 29.09. besprochen wird.

Beteiligen Sie sich an der Roadmap

Sie möchten sich an der Aktualisierung der Smart Grids-Roadmap Baden-Württemberg beteiligen, sind aber noch nicht angemeldet? Dies können Sie noch nachholen. Wenngleich die ersten Workshops bereits stattfanden, haben Sie die Möglichkeit sich im E-Mail-Konsultationsprozess und beim Syntheseworkshop einzubringen. Alle weiteren Informationen zum Ablauf und der Anmeldung finden Sie hier: www.smartgrids-bw.net/roadmap

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