Rückblick: Netzsicherheitskonferenz Schwäbisch Hall 2026

Die Netzsicherheitskonferenz Schwäbisch Hall 2026 brachte Expertinnen und Experten zusammen, mit Fokus auf eine normgerechte Prüfung und Inbetriebnahme von Anlagen im Mittelspannungsnetz.

Veröffentlicht: 19. Juni 2026 | Kategorie: Allgemein, Blog | Autor / Autorin: Christian Schneider & Aaron Metz

Nachbericht: Netzsicherheitskonferenz Schwäbisch Hall 2026

 

SmartGridsBW/ Lea-Philine Beyer

 

Am 9. Juni 2026 fand die schon traditionelle Netzsicherheitskonferenz in Schwäbisch Hall statt. Auch in diesem Jahr brachte die Veranstaltung Expertinnen und Experten aus der Energiewirtschaft (mit dem Schwerpunkt Netztechnik) an einen Tisch. Der Fokus der Veranstaltung lag auf rechtlichen, planerischen und technischen Aspekten bei Inbetriebnahme, Betrieb und Wartung von Mittel- und Niederspannungsnetzen. Die Veranstaltung bot neben Fachvorträgen und Vernetzungsmöglichkeiten auch Live-Demonstrationen von Mittel- und Niederspannungskabelprüfungen sowie Leistungsschaltern.

SmartGridsBW/ Lea-Philine Beyer

Regulatorisches Umfeld der Energiewirtschaft

Dr. Michael Weise von der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH), einem unserer Mitgliedsunternehmen, beleuchtete aus juristischer Perspektive die Frage nach Verantwortlichkeiten im Schadensfall. Mit über 16.000 Gesetzen, Verordnungen und Anwendungsregeln, deren Anzahl und Komplexität stetig zunehmen, sind Netzbetreiber mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen rechtliche Konsequenzen, die sich bei Nichteinhaltung der geltenden FNN- und VDE-Vorschriften ergeben können.

Fehlerhafte Netzschutzparameter

Dr. Michael Fette (Fette Dynamics) präsentierte mithilfe praxisnaher Beispiele aus dem Netzbetrieb, welche Fehler bei der Festlegung von Netzschutzparametern auftreten können und welche Folgen diese für einen sicheren Netzbetrieb haben. Er betonte, dass die zunehmende Durchdringung des Netzes mit Leistungselektronik die Schutztechnik vor neue Herausforderungen stellt: Klassische Messverfahren stoßen in einem nichtlinearen System an ihre Grenzen. Die Folgen reichen von Messungenauigkeiten bei Smart Metern über erhöhten Verschleiß an Wechselrichtern  bis hin zu erhöhten Brandrisiken in der Leistungselektronik.

 

SmartGridsBW/ Lea-Philine Beyer

Integration von Schaltwerken und Erzeugern in Netze

Dr.-Ing. David Ziegler und Peter Breuning von der AMP ENERGY SOLUTIONS GmbH – einem unserer Mitgliedsunternehmen – knüpften thematisch nahtlos an und beleuchteten mögliche Gegenmaßnahmen zu Oberwellen im Netz. Auch sie thematisierten den sogenannten Prüfstand-Realitätsgap in der Leistungselektronik: Was unter kontrollierten Laborbedingungen funktioniert, verhält sich im realen Netzbetrieb oft anders. Daraus entstehen neue Resonanzprobleme, die sich gegenseitig verstärken und mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien künftig noch zunehmen werden.

 

Die Resilienz der Energienetze stärken

Christian Schneider von der Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg stellte das Akteursnetzwerk und die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit insbesondere im Themenfeld „Resilienz“ vor. Weiterhin ging er in seinem Vortrag auf Herausforderungen für die Resilienz des Energiesystems ein. Die momentan wachsenden Anforderungen sind groß: Sowohl politische, systemische, wirtschaftliche als auch organisatorische Aspekte stellen nun, neben der eigentlichen Technik, die Herausforderungen für Netzbetreiber dar. Dabei bietet die Energiewende den Vorteil, dass Deutschland unabhängiger von Energieimporten aus diktatorischen Staaten wird und die Wertschöpfung größtenteils vor Ort bleibt.

 

SmartGridsBW/ Lea-Philine Beyer

Live-Präsentation: Prüfeinrichtungen & FNN-/VDE-Vorschriften

Den Auftakt des praktischen Programmteils bildete eine Live-Präsentation von Hartmut Liebig und Roland Matern von der LIMA HIGHVOLTAGE GmbH. Die Experten gaben einen fundierten Überblick über die relevanten FNN- und VDE-Vorschriften und stellten verschiedene Prüfeinrichtungen und Systeme vor. Sowohl Hochstrom- als auch Hochspannungsprüfungen wurden live durchgeführt und auch Möglichkeiten zur Erkennung von defekten Schutzschaltern und Verdrahtungsfehlern konnten von allen live in Aktion gesehen werden.

 

Abgerundet wurde der fachlich sehr dichte Tag mit der Möglichkeit „mit dem schnellsten Stromer in Hall“ (Peter Breuning), dem Segway, einige Runden auf dem Veranstaltungsgelände zu drehen. Der anschließende Imbiss bot den Teilnehmenden bei Buffet und frisch aus einem Umspanntransformator gezapftem Bier ausreichend Gelegenheit für einen weiteren wichtigen Teil der Veranstaltung: Vernetzung und Austausch. Vielen Dank an die Stadtwerke Schwäbisch Hall, AMP Energy Solutions und VIVAVIS für die Organisation der gelungenen Veranstaltung!

 

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