Tagung „Zukünftige Stromnetze 2024“: Flexibilität in den Netzen und in den Köpfen

Entdecken Sie die Trends der Energiebranche: Unsere Zusammenfassung der Tagung 'Zukünftige Stromnetze 2024' in Berlin. Von Regierungsstrategien bis zu innovativen Lösungen.

Veröffentlicht: 1. Februar 2024 | Kategorie: Allgemein, Blog, SP_SmartGrids | Autor / Autorin: Jan Schuck

Die Tagung „Zukünftige Stromnetze 2024“ fand dieses Jahr vom 24. bis 25. Januar in Berlin statt und brachte wieder führende Experten und Entscheidungsträger aus der Energiebranche zusammen.

Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2013 hat sich die unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) stehende Tagung „Zukünftige Stromnetze“ in Berlin als festes Format für die Energiewirtschaft in Deutschland etabliert. Die vom Veranstaltungsteam der Conexio-PSE GmbH durchgeführte Tagung bot auch in diesem Jahr eine Vielzahl spannender Fachvorträge und Vernetzungsmöglichkeiten. Letztere wurden von allen als so wichtig wahrgenommen, dass selbst der Bahnstreik und die von Conexio organisierte Möglichkeit der Hybrid-Teilnahme viele Teilnehmende nicht davon abhalten konnten, sich persönlich auf der Tagung zu treffen.

Die Tagungsthemen

Dr. Philipp Nimmermann auf dem Podium der Tagung zukünftige Stromnetze 2024

Dr. Philipp Nimmermann über "Handlungsbedarf und Aktivitäten der Bundesregierung für die zukünftigen Stromnetze"

Am Vormittag des Eröffnungstages konzentrierte man sich auf den Handlungsbedarf und die Aktivitäten der Bundesregierung für die zukünftigen Stromnetze. Dr. Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), teilte Einblicke in die strategischen Maßnahmen der Regierung mit, mahnte jedoch auch an: „Wir brauchen Flexibilität in den Netzen und in den Köpfen“. Die Debatte über die deutschen Strompreise werde häufig geführt, ohne dabei zu berücksichtigen, dass damit auch die im internationalen Vergleich sehr hohe Netzstabilität und damit ein wesentlicher Standortvorteil erkauft werde. Die folgende Diskussionsrunde vertiefte die Themen der Sitzung zu den „Zukünftige[n] Herausforderungen in und zwischen den Netzebenen“.

Die erste Nachmittagssession beleuchtete die Infrastruktur für ein klimaneutrales Energiesystem. Sitzungsleiter Thomas Dederichs (Amprion GmbH) führte die folgende Diskussion. Themen waren der Netzentwicklungsplan 2037, vorgestellt von Dr. Michael Schäfer (TransnetBW GmbH), der Ausbau und die Modernisierung der Verteilnetze sowie aktuelle Entwicklungen im H2-Kernnetz. Damit wurde auch die Relevanz der Sektorkopplung auf Systemebene hervorgehoben und die Vision und Planung für ein integriertes Energiesystem aufgezeigt. Dr. Wittenberg von der Westnetz GmbH brachte dabei den Wert der Kooperation bei der Verstärkung der Energiesysteme auf den Punkt: „Wir müssen alle eng zusammenarbeiten. Wir müssen den Schalter umlegen von einer Zeit, die auf maximale wirtschaftliche Effizienz bedacht war, um nun auf maximalen Ausbau zu gehen.“ Die Sitzung endete mit einem Einblick in modellgestützte Energiesystemvisionen aus europäischer Perspektive.

Impressionen der Tagung

Der zweite Tag begann mit einem „Wake-up Call“ von Dr. Dirk Häger (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der die aktuelle Cyber-Bedrohungslage beleuchtete. Die Anzahl der Cyberattacken nehme zu – Bewusstsein und damit einhergehende Schutzmaßnahmen für IT-Vulnerabilitäten müssen verstärkt werden. Energienetze seien sowohl nachrichtendienstliche Angriffsziele als auch Ziele für Cybercrime. Nicht nur durch direkte Angriffe bestünden Gefahren, sondern auch durch kompromittierte Dienstleister wie z. B. Cloudanbieter.

Die Vorträge der ersten Session konzentrierten sich auf Erfahrungen mit netzbildenden Wechselrichtern, Messverfahren und Anforderungskatalogen. Die zweite Session des Tages wagte einen Blick in die Praxis und verschiedene Referenten stellten Anforderung und Instrumente beim Netzanschluss dar.

Die Nachmittagssessions behandelten Flexibilitätsoptionen in den Netzen und Energiegemeinschaften im Kontext der Versorgungssicherheit, moderiert von Prof. Dr. Christof Wittwer (Fraunhofer ISE). Dr. Michael Weinhold (Siemens AG) führte in Flexibilitätsoptionen ein, gefolgt von Diskussionen zu regulatorischen Aspekten, dezentraler Flexibilität im Verteilnetz und partizipativen Reallaboren. Die Tagung schloss mit einer Diskussionsrunde zu Anforderungen und Instrumenten beim Netzanschluss, gefolgt von einer Abschlusspräsentation zu Energiegemeinschaften im Kontext der Versorgungssicherheit.

Das Netzwerk von SmartGridsBW vor Ort im Dialog

Erstmalig beteiligte sich auch die Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg e.V. mit einem Stand an der integrierten Fachausstellung und einem Pitch zur Smart Grids-Roadmap Baden-Württemberg 2.0 an der Tagung. Als Sponsor und Partner waren unsere Mitglieder TransnetBW GmbH und Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg e.V. sowie das Solar Cluster Baden-Württemberg e.V. aktiv. Weiterhin freuten wir uns über produktive Zusammentreffen mit unseren Mitgliedern Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung BW (ZSW),  Fraunhofer ISE, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) und Becker Büttner Held (BBH).

Insgesamt bot die Tagung „Zukünftige Stromnetze 2024“ eine umfassende Plattform für den Austausch von Ideen, Erfahrungen und neuesten Erkenntnissen im Bereich der zukünftigen Strom- und Energienetze. Der fortgesetzte Dialog zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie, Politik und Forschung wie bei dieser Tagung trägt dazu bei, am „dicken Brett“ (dieses Begriffes waren sich die Teilnehmenden einig) der Ertüchtigung der Energienetze zu arbeiten.

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